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Pflegemaßnahmen

Pflege der Drover Heide

Erhalt der offenen Heidelandschaft

Welcher Besucher der Drover Heide ist nicht fasziniert von der ausgedehnten Heidelandschaft, die sich insbesondere zur Zeit der Heideblüte im August als Augenweide präsentiert. Doch die offenen Heide- und Grünlandflächen der Drover Heide würden ohne eine aktive Pflege schnell zuwachsen. Will man die Heidebestände dauerhaft erhalten und die Landschaft offen halten, so erfordert dies eine regelmäßige Pflege durch Mahd und/oder Beweidung. Ohne dieses Management wird die offene Heidelandschaft von Birken, Kiefern und Ginster überwachsen:

Besteht jetzt das besondere Naturerleben in der Drover Heide in der offenen Heidelandschaft mit einzelnen Gehölzgruppen, so würde sich die Landschaft ohne aktive Pflege zur Waldlandschaft entwickeln. Der Lebensraum der lichthungrigen Pflanzen- und Tierarten wäre ohne Pflege ebenso wie die Brutstätten der seltenen und gefährdeten bodenbrütenden Vogelarten vernichtet.

In historischer Zeit haben Blitzschlag, Brände, Stürme und große Überschwemmungen den Wald geöffnet. Große Viehherden zogen im Jahresverlauf durch die Landschaft Mitteleuropas wie z. B. Wildpferde, Wisente, Elche, Auerochsen u. a. und verhinderten eine flächendeckende Entwicklung von Laubwäldern. Das heißt, die großen Viehherden waren in der Lage unsere Naturlandschaft offen zu halten und z. B. Heiden entstehen zu lassen. Verbisstolerante, lichtbedürftige Arten wie Eichen, Hainbuchen, Birken und andere dominierten. Erst mit der Ausrottung sämtlicher Raufutterfresser gelangte die verbissempfindliche Buche zu ihrer Dominanz in Mitteleuropa.

Heute erreichen Reh-, Rot- und Schwarzwild alleine keinen ausreichenden Weidedruck auf die Waldbereiche, um für große offene Landschaften zu sorgen. Somit stellt die Heide heute ein Sekundärbiotop für viele Tier- und Pflanzenarten dar. Das heißt, dass nur durch den regelnden Eingriff des Menschen die Heide erhalten werden kann. Einige Tausend Jahre ist es her, dass große Tierherden durch die Landschaft Mitteleuropas zogen, vergleichbar den Herden in der Savanne Afrikas. Heute sind die Vertreter dieser so genannten Megaherbivoren in weiten Teilen Mitteleuropas oder auch gänzlich ausgestorben.

Ohne das die Heide gemäht oder beweidet wird, ist das Heidekraut nach durchschnittlich ca. 15 Jahren stark überaltert und „vergreist“. Die Zwergsträucher sterben langsam ab und die Blütenpracht weicht einem eintönigen Braun. Spätestens jetzt besteht akuter Handlungsbedarf: eine maschinelle Pflege der Heide muss stattfinden. Birken, die mittlerweile deutlich in ihrem Anteil auf diesen Flächen zugenommen haben, müssen entfernt werden und die Heide wird gemäht. Die Heidestöcke treiben im nächsten Jahr neu aus, sie verjüngt sich und die junge Heide blüht wieder auf.

All diese Maßnahmen werden vom Eigentümer der Drover Heide, genauer gesagt vom Bundesforstamt Wahner Heide, seit vielen Jahren durchgeführt. Im Auftrage der Unteren Landschaftsbehörde des Kreises Düren begleitet die Biologischen Station Düren seit 1998 all diese Maßnahmen. Die Planung und Umsetzung läuft in enger Kooperation der genannten Partner. Jährlich wurde im Zeitraum zwischen September und März zwischen 3 und 25 ha Heidefläche entkusselt, d.h. Birken wurden entfernt und anschließend gemäht. Da die Maßnahmen zumeist sehr kostenintensiv sind, bestand die Bestrebung Kosten zu reduzieren und sich „tierischer Unterstützung“ zu bedienen. So soll die aufwendige und kostenintensive manuelle Heidepflege der vergangenen Jahre durch die jetzt eingeleitete Beweidung verringert werden.

Rinder und Ziegen als Landschaftsgestalter und Heidepfleger
Wie auch andernorts erfolgreich praktiziert, wird eine Beweidung mit Rindern und Ziegen helfen, die Heide nicht nur für die in ihr lebenden Vogelarten, sondern gerade auch für das Naturerleben der Menschen offen zu halten.

Wird das Grünland der Drover Heide nördlich der alten Verbindungsstrasse zwischen Drove und Soller schon immer von Schafen beweidet, so sind jetzt südlich der alten Kreisstrasse 3 ausgedehnte Weidekoppeln für eine Rinder- und Ziegenbeweidung eingezäunt. Insgesamt werden hier knapp 150 ha beweidet. Die Koppeln wurden so ausgewählt, dass die freigegebenen Wege der Drover Heide hiervon nicht berührt, geschweige denn versperrt sind, d.h. sie liegen zwischen den für Besucher zugänglichen Wegetrassen. Die nun in der Drover Heide grasenden Rinder und Ziegen stammen von ortsansässigen Landwirten, welche die Versorgung der Tiere und das Weideregime übernehmen. Die Zaunanlage wurde so installiert, dass sie, wo immer möglich, in die Heidelandschaft eingebunden ist. Anders als bei einem Stacheldrahtzaun stehen die Weidepfähle in größerem Abstand, die Zauntrasse ist, soweit dies machbar war, durch die Heide optisch verdeckt.

Anders als bei klassischem Grünland ist eine Beweidung der Heide nur durch anspruchslose Tierrassen zu gewährleisten. Erfahrungen mit der Beweidung ausgedehnter Heidelandschaften aus den Niederlanden haben bei der Auswahl geeigneter Rinderrassen geholfen. Neben Rindern sind aber auch gerade Ziegen besonders geeignet die aufkommenden Gehölze wie die Birke kurz zu halten. Der Tritt der Rinder wird immer wieder Ankeimbetten zur Verjüngung der Heide schaffen. Zu beachten ist bei der Beweidung, dass die so genannte Besatzdichte der Tiere nicht zu hoch ist, um beispielsweise die bodenbrütenden Vogelarten nicht zu beeinträchtigen. Angedacht ist zu Beginn eine Beweidung mit etwa 15 Rindern auf der Fläche. Zugleich ist beabsichtigt das Weideregime so zu lenken, dass eine intensivere Beweidung während der Brutzeit außerhalb der unmittelbaren Kernzonen des Vogelschutzgebietes stattfindet. Durch diese Maßnahme wird dafür Sorge getragen, die Schutzziele, wie den Schutz der seltenen Vogelarten, zu gewährleisten und dennoch eine Pflege der Heide zu erreichen. Es ist zu erwarten, dass die Herde im Tages- und Jahresverlauf wechselnd ein Mosaik unterschiedlich stark beweideter Flächen entstehen lässt und somit einen Beitrag leistet, Vielfalt und Eigenart der Landschaft der Drover Heide zu erhalten. Langfristig kann der Tierbestand dann unter Umständen aufgestockt werden.

Weiterhin werden durch Kaminholzwerber Birken im Gebiet eingeschlagen, um ein weiteres Vordringen der Gehölze zu verhindern. Hier sollen auch gerade im Bereich der freigegebenen Wege Birkenblöcke entnommen werden, um die Sichtbeziehung zur Heide weiter zu verbessern. Die aufkommende Stockausschläge werden dann innerhalb der Koppel durch die weidenden Tiere verbissen, so dass ein langfristiger Effekt zur Reduzierung der Gehölze gegeben ist.


Biologische Station im Kreis Düren
Zerkaller Str. 5
52385 Nideggen-Brückl
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